uninteressantes Geschwafel einer unerhörten Philosophin

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Sara im Rausch



Ich tue es immer wieder.
Sobald ich den Stoff ran hab, denn es ist immer alles viel zu schnell weg. Die Ekstase, die Freiheit und der Stoff. Ganz schlimm ist es, wenn der Stoff zu spät kommt und ich im Gezittere etwas von dem Löffelchen verschütte, die Spritze fallen lasse, das Feuerzeug nicht funktioniert. Man sitzt wie auf Kohlen. Die Begierde in einem frisst einen auf. Das ist verdammt schmerzhaft.
Am Anfang war es noch anders. Die Joints waren was Neues, „high“ - sein machte unheimlich viel Spaß. Alles war so einfach, … schwebend, … wolkig… Man konnte alles hinter sich lassen und es verging nur langsam. Aber das war nicht genug. Seit Axel tot ist, hab ich mit dem Fixen angefangen. Ich musste verstehen. Vergessen. Es ist leichter in dem anderen Zustand. Nichts kommt an dich ran. Gar nichts. Wenn die alten Säcke nach dir greifen, du alles für sie tust, weil sie das Geld für den Stoff haben…
Der Stoff steht im Mittelpunkt. Und wenn du ihn hast…
Weißt du? Stoff verlierst du nicht. Es wird immer welchen geben und du wirst ihn immer irgendwoher bekommen. Wenn du das Geld hast, klar, aber solange das Zittern und die Schmerzen nicht zu groß werden, ist Geld kein Problem. Die Alten kommen sowieso. Sie stehen Schlange für dich. Du darfst ihnen nur nicht in den Schoß kotzen, sonst kommen sie nicht wieder. Und tu ihren teuren Autos nichts, sonst bist du tot.
Der Stoff ist dein Freund, die anderen Zombies mit den weiten Pupillen, die sind es auch, doch wenn sie anfangen zu zittern, nimm dich in Acht. Die klau’n wie die Raben. Sie brauchen den Stoff, wie ich.
Meine Alten ham mich vor die Tür gesetzt. Ich brauch sie nicht mehr. Sie haben es später bereut, aber ich, ich will nicht mehr zurück.
Einmal ham sie mich in der Wohnung eingesperrt. Meine Mutter hat die ganze Zeit geheult. Ich hab die Tür eingetreten. Ich lass mir nichts mehr verbieten. Nicht von denen.
Auch die Bullen könn’ uns nix. Wenn die uns finden, bekommen sie uns nicht. Wir sind zu viele. Wir sind zu schnell. Wir nehmen und unsere Freiheit, der Stoff hilft uns dabei.
Es ist ganz einfach: Stoff, Besteck, Klo. Wenn kein Klo da ist, auf offener Straße – du bist überall zu Hause. Alles gibt’s überall: Freier, Dealer, Junkies.
Ein Teufelskreis? Der Lauf der Dinge eben. Und anders hält man’s ja nicht mehr aus.
Die einzige Angst: Der Goldne Schuss. Du siehst die Leute neben dir verrecken. Zu viel des Guten, es nimmt dir dein Leben. Doch vielleicht isses auch besser so. Keine Schmerzen mehr, weißt du? Und du bist glücklich gestorben, weißt du?
„High“.
Dann hört die ganze Scheiße endlich auf und du brauchst keine Angst mehr haben vor dem „Danach“. Dieses eine geht nicht mehr vorbei: Es muss schön sein, so zu sterben.

Eine Episode zu dem Roman von Sybille Berg „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ (1997) im März 2007 von A. E. W., aus der Reihe "Problemkinder - Porträt einer schizophrenen Jugend"

Quelle Foto: http://www.drogeninfos.de/bilder/newsbilder/spritze.jpg
15.3.07 16:40


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